Knochenaufbau Oberkiefer und Unterkiefer

Die hier angebotenen Inhalte dienen ausschliesslich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen zahnmedizinischen Diagnosemethoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Zahnarzt, Arzt oder Apotheker und darf nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose oder den Beginn, die Änderung oder Beendigung einer Behandlung verwendet werden. Suchen Sie bei Zahn-, Mund- und Kieferbeschwerden oder anderen gesundheitlichen Fragen immer den Zahnarzt Ihres Vertrauens auf.
Sofern Knochenhöhe und Knochenbreite für ein Zahnimplantat nicht ausreichen, kann ein Knochenaufbau im Oberkiefer und Unterkiefer durchgeführt werden.
Es gibt viele verschiedene Techniken, Methoden und Materialien, um das fehlende Volumen wiederherzustellen. Dabei sollte unbedingt darauf geachtet werden, eine gesunde und langfristig stabile Lösung zu bieten.
Eine spezielle Form vom Knochenaufbau im Oberkiefer ist der sogenannte Sinuslift.
Im Nachfolgenden möchten wir gerne näher auf die verschiedenen Möglichkeiten und Gründe für einen Knochenaufbau eingehen.
Was versteht man unter einem Knochenaufbau?
Ein Knochenaufbau, auch als Knochenaugmentation bezeichnet, bezieht sich in unserem zahnmedizinischen Rahmen auf einen Aufbau des Kieferknochens. Der Kieferknochenaufbau kann beispielsweise vor oder während einer Implantatversorgung unerlässlich sein, um den langfristigen Erfolg, die Sicherheit und Stabilität der Implantate zu ermöglichen und eine ansprechende Ästhetik herzustellen, oder auch eingesetzt werden, um den Zahnhalteapparat zu unterstützen. Hierzu kommen verschiedene Materialien und Methoden zum Einsatz.
Gründe für einen notwendigen Knochenaufbau
Ist es im Vorfeld der Behandlung zu einem Knochenabbau gekommen und bedarf die geplante Therapie einer ausreichenden Basis, so ist ein Knochenaufbau erforderlich. Die Ursachen eines Knochenschwunds sind vielfältig.
Der menschliche Körper folgt dem Prinzip «use it or lose it». Wird Knochen nicht mehr durch Kaukräfte belastet (durch ein komplexes Zusammenspiel aus Druck- und Zugmechanismen), beginnt er zu schwinden. So entstehen Situationen, in denen ein Knochenaufbau notwendig werden kann:
Ein Knochenaufbau kann vor einer Implantation notwendig werden. Das korrekte Material und ein vorsichtiges Vorgehen sind entscheidend.

Parodontitis / Parodontose
Wenn über lange Zeit bakterielle Entzündungen (Parodontitis/Parodontose) den Zahnhalteapparat geschwächt haben, kann es nicht nur zu Zahnfleischrückgang, sondern auch zu Knochendefekten gekommen sein. Wenn die betroffenen Zähne entfernt werden, befindet sich das Knochenniveau von Beginn an auf einem zu niedrigen Niveau. Traumatische Extraktionen unter Anwendung zu hoher Kräfte verstärken das Ausmass der Verluste. Vor einer Implantatversorgung müssen diese Defekte ausgeglichen werden, je nach Situation kann auch eine zahngetragene festsitzende Versorgung (Keramikbrücke) einen Knochenaufbau erfordern, wenn durch den Abbau ästhetische Einschränkungen bestehen.
Zahnextraktion ohne Socket Preservation
Nach einer Zahnentfernung ohne begleitende knochenerhaltende Massnahmen (Socket Preservation) kommt es häufig innerhalb der ersten 6-12 Monate zu einem erheblichen Verlust an Knochenvolumen. Der Kieferknochen kann je nach Ausgangssituation und Beschaffenheit des Knochens bis zu 50% seiner ursprünglichen Breite verlieren, was die spätere Implantatversorgung erschweren kann.
Zahnentfernung ohne Implantat
Bleibt eine Zahnlücke über längere Zeit unversorgt, kann es zum Knochenabbau kommen. Der Kieferknochen benötigt regelmässige Druck- und Zugbelastung durch Kaukräfte, um seine Struktur und Dichte zu erhalten. Ohne diese Stimulation durch Zahnwurzeln oder Implantate bildet sich der Knochen zurück.
Langjähriges Tragen einer Prothese
Herausnehmbarer Zahnersatz (Teil- oder Totalprothesen) kann den darunterliegenden Kieferknochen zusätzlich belasten. Der hohe Druck auf den Kiefer kann zu einem beschleunigten Knochenabbau führen, insbesondere wenn die Prothese nicht optimal angepasst ist, Druckstellen bestehen oder diese über viele Jahre hinweg getragen wird.
Knochenaufbau bei Zähnen
Der Knochenaufbau ist nicht nur für Versorgungen mit Zahnimplantaten relevant, sondern kann auch an eigenen Zähnen durchgeführt werden. Ziel ist der Gewinn an Knochensubstanz um die gesunden eigenen Zähne.
Regenerative Therapie bei Parodontitis
Bei fortgeschrittener Parodontitis können spezielle regenerative Verfahren eingesetzt werden, um verloren gegangenen Knochen an natürlichen Zähnen wieder aufzubauen. Durch Verwendung von Knochenersatzmaterialien, ggf. Schmelzmatrixproteinen, in Kombination mit speziellen Membranen (Guided Tissue Regeneration, GTR) kann das Knochenvolumen gezielt aufgebaut werden.
Knochenaufbau nach Zahntrauma
Nach Unfällen mit Verletzung des Kieferknochens kann ein Knochenaufbau notwendig sein, um die natürlichen Zähne zu erhalten oder eine spätere prothetische Versorgung zu ermöglichen.
Vorbereitung für kieferorthopädische Behandlungen
Manchmal ist vor umfangreichen kieferorthopädischen Eingriffen ein Knochenaufbau erforderlich, um eine ausreichende Basis für Zahnbewegungen zu schaffen. Falls dieser ausbleibt, sind freiliegende Wurzeloberflächen möglich, die die Langzeitprognose der Zähne einschränken.
Knochenaufbau für Implantate
Für die erfolgreiche Insertion und langfristige Stabilität von Zahnimplantaten ist ein ausreichendes Knochenangebot unverzichtbar, da dieses die Basis der Versorgung darstellt. Je nach Situation und Ausmass des Knochendefekts stehen verschiedene Methoden zur Verfügung.
Sinuslift
Der Sinuslift ist eine bewährte Methode für den Knochenaufbau im Oberkiefer-Seitenzahnbereich. Dabei wird der Boden der Kieferhöhle (Sinus maxillaris) angehoben und der entstandene Raum mit Knochenersatzmaterial, Eigenknochen oder direkt mit dem Zahnimplantat aufgefüllt.
Man unterscheidet zwei Techniken:
- Externer Sinuslift, direkte Sinusbodenelevation: Bei grösseren Defekten wird die Kieferhöhle durch ein seitliches Fenster zugänglich gemacht. Diese Methode ermöglicht grössere Knochenaugmentationen.
- Interner Sinuslift, indirekte Sinusbodenelevation: Bei Restknochen in Höhe von 5 - 8 mm kann der Sinusboden durch den Implantatzugang angehoben werden, ohne ein separates Zugangsfenster. Diese Technik ist sehr minimalinvasiv.
Knochenblock
Bei erheblichen Knochendefekten kann ein Knochenblock-Transplantat die beste Lösung sein. Dabei wird ein Block aus körpereigenem Knochen (meist vom Kieferwinkel, Kinn oder Beckenkamm) entnommen und im Defektbereich fest verschraubt. Nach dessen Einheilung kann die Implantation zeitlich versetzt erfolgen. Diese Methode bietet eine hohe biologische Wertigkeit und gute Stabilität, jedoch ist eventuell die Durchblutung eingeschränkt. Die Anwendung muss je nach Situation (Durchblutung der knöchernen Basis) entschieden werden.
Bone Splitting / Bone Spreading
Bei ausreichender Knochenhöhe, aber zu geringer Knochenbreite, kann der vorhandene Knochen vorsichtig aufgedehnt werden:
- Bone Splitting: Der Kieferkamm wird längs gespalten und aufgespreizt, um Platz für Implantate zu schaffen.
- Bone Spreading: Der Knochen wird schonend und schrittweise gedehnt und verdichtet, somit stabilisiert.
Beide Techniken erweitern den schmalen Kieferkamm und schaffen zusätzlichen Raum für Implantate, ohne dass Knochen von anderen Stellen entnommen werden muss.
Socket Preservation
Die Socket Preservation ist eine präventive Massnahme unmittelbar nach der Zahnentfernung. Die leere Alveole (Zahnfach) wird mit Knochenersatzmaterial gefüllt und in der Regel auch mit einer Membran abgedeckt. Diese Technik minimiert den Knochenabbau und erhält das Knochenvolumen für eine spätere Implantatversorgung.
Distraktionsosteogenese
Dieses anspruchsvolle Spezialverfahren nutzt die körpereigene Knochenneubildung: Der Knochen wird chirurgisch durchtrennt und dann langsam über einen Zeitraum von mehreren Wochen durch ein spezielles Gerät gedehnt. In dem entstehenden Spalt bildet sich neuer Knochen. Diese Technik kommt bei grösseren Defekten zum Einsatz.
Materialien für den Knochenaufbau
Für den Knochenaufbau stehen verschiedene Materialien zur Verfügung, die je nach Situation, gewünschtem Ergebnis und persönlichen Faktoren ausgewählt werden. Bei der Wahl sollten die individuellen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Eigenschaften wie Biologie und Verträglichkeit, aber auch Stabilität des Knochens stehen an oberster Stelle.
Autogener Knochen - Eigenknochen
Der körpereigene Knochen (autogener Knochen) gilt nach wie vor als «Goldstandard» aufgrund seiner biologischen Eigenschaften:
- Enthält lebende Knochenzellen und Wachstumsfaktoren
- Bietet optimale Verträglichkeit (keine Abstossungsreaktion)
- Fördert aktiv die Knochenneubildung
- Dient als Leitschiene für neues Knochenwachstum
Entnahmestellen sind meist der Kieferwinkel, der Kinnbereich oder bei grösseren Mengen der Beckenkamm. Der Knochenblock wird mit Hilfe der Piezochirurgie schonend und passgenau entnommen und anschliessend an den korrekten Ort platziert. Dieser verheilt mit dem vorhandenen Knochen und verbessert das Knochenangebot in horizontaler und vertikaler Richtung.
Der Nachteil liegt im zusätzlichen Eingriff zur Entnahme und der möglichen Beschwerden an der Entnahmestelle.
Als Eigenknochen können aber auch Knochenspäne verwendet werden. Die Knochenspäne werden bevorzugt in einem sterilen Knochensammler (z.B. Safescraper) aufgefangen und ohne Kontamination in den Knochendefekt eingebracht. Oft können die Knochenspäne am Ort der Operation gesammelt werden, ohne eine zusätzliche Wunde schaffen zu müssen.
Allogener Knochenersatz - Spenderknochen
Allogener Knochenersatz stammt von menschlichen Spendern und wird aufwändig gereinigt und sterilisiert:
- Verfügbar in verschiedenen Formen (Blöckchen, Granulat etc.)
- Langsamer, zuverlässiger Umbau in körpereigenen Knochen
- Unbegrenzte Mengen verfügbar
- Kein Zweiteingriff zur Entnahme notwendig
- Ähnliche Struktur wie eigener Knochen
Durch spezielle Aufbereitungsverfahren ist das Risiko von Krankheitsübertragungen oder Unverträglichkeiten äusserst gering.
Xenogener Knochenersatz - Tierischen Ursprungs
Diese Materialien stammen meist von Rindern oder Schweinen, wobei die organischen Bestandteile entfernt werden und ebenfalls aufwändige Reinigungs- und Sterilisationsprozesse stattfinden:
- Verfügbar in verschiedenen Formen (Blöckchen, Granulat etc.)
- Langsamer, zuverlässiger Umbau in körpereigenen Knochen
- Unbegrenzte Mengen verfügbar
- Kein Zweiteingriff zur Entnahme notwendig
- Besonders langzeitstabile Gerüststruktur
Das hochgereinigte Knochenmineral dient als Leitstruktur für den körpereigenen Knochen, der in das Material einwächst.
Alloplastischer Knochenersatz - Künstliche Materialien
Synthetisch hergestellte Knochenersatzmaterialien bestehen meist aus Verbindungen von Kalzium und Phosphat.
- Keine biologische Herkunft (wichtig bei ethischen oder religiösen Bedenken)
- Kontrollierte Herstellung in gleichbleibender Qualität
- Gute Vorhersagbarkeit des Einheilverhaltens
Diese Materialien gibt es in verschiedenen Zusammensetzungen, die unterschiedliche Abbaugeschwindigkeiten und mechanische Eigenschaften bieten.
Heilungsprozess nach Knochenaufbau
Der Heilungsprozess nach einem Knochenaufbau ist ein komplexer biologischer Vorgang, der Zeit und Geduld erfordert. Das Verständnis dieses Prozesses hilft, realistische Erwartungen zu entwickeln.
Nach dem Einbringen des Augmentationsmaterials durchläuft der Körper mehrere Phasen:
- Entzündungsphase (erste Tage): Der Körper reagiert mit einer kontrollierten Entzündungsreaktion, die Heilungsprozesse einleitet. Schwellung und leichte Schmerzen sind normal.
- Revaskularisierung (ab 1-2 Wochen und länger): Neue Blutgefässe wachsen in den Knochenaufbau (Augmentat) ein und versorgen den Bereich mit Nährstoffen und Sauerstoff.
- Osseointegration (2-6 Monate): Körpereigene Knochenzellen besiedeln das Augmentationsmaterial und beginnen mit dem Umbau. Dieser Prozess wird auch als «schleichender Ersatz» bezeichnet, da das Knochenersatzmaterial schrittweise durch eigenen Knochen ausgetauscht wird.
- Remodelling (bis zu 1 Jahr): Der neue Knochen passt sich funktionell an die Belastung an und erhält seine endgültige Struktur.
Die Gesamtdauer bis zur vollständigen Integration hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Art und Umfang des Knochenaufbaus
- Form des Defekts
- Verwendetes Material
- Individuelle Heilung des Patienten
- Begleiterkrankungen wie z.B. Diabetes oder Osteoporose
Komplikationen nach Knochenaufbau
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff können auch im Rahmen eines Knochenaufbaus Komplikationen auftreten. Mit einer sorgfältigen Planung, moderner Technik und Erfahrung des Behandlers ist das Risiko jedoch gering.
Mögliche Komplikationen im Oberkiefer:
- Eröffnung der Kieferhöhle bei Sinuslift Operationen
- Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung)
- Schwellung der Schleimhaut, die den Abfluss der Kieferhöhle behindert
- Blutung in die Kieferhöhle hinein
Mögliche Komplikationen im Unterkiefer:
- Beeinträchtigung des Unterkiefernervs mit vorübergehenden oder selten dauerhaften Gefühlsstörungen der Zunge oder Unterlippe
- ggf. erhöhtes Frakturrisiko bei umfangreichen Eingriffen
Allgemeine Komplikationen:
- Wundheilungsstörungen oder Infektionen
- Nachblutung
- Unzureichende Integration des Knochenaufbaus
- Frühzeitiger Abbau des Knochenaufbau-Materials
Bei auftretenden Problemen wie anhaltenden Schmerzen, starken Schwellungen, Blutungen oder Fieber sollte umgehend der behandelnde Zahnarzt kontaktiert werden.
Alternativen zum Knochenaufbau
Nicht in jeder Situation ist ein aufwändiger Knochenaufbau erforderlich. Es gibt verschiedene Alternativen, die je nach individueller Situation in Betracht gezogen werden können. Wichtig ist es, die Alternativen genau mit dem Patienten zu besprechen, um gemeinsam die individuell beste Lösung zu finden.
Kurze Implantate ohne Knochenaufbau
Moderne kurze Implantate (6-8 mm Länge) können in vielen Fällen auch bei reduziertem Knochenangebot eingesetzt werden:
- Vermeidung aufwändiger Augmentationen
- Kürzere Behandlungszeit
- Geringere Kosten
- Weniger invasiv
Wichtig zu beachten ist die Verteilung der Kaukräfte, da kurze Implantate seitlichen Druck auf eine geringere Oberfläche verteilen, als dies bei längeren Implantaten der Fall ist.
Die sorgfältige Kontrolle der prothetischen Kontaktpunkte und der Kaufunktion des Patienten ist unerlässlich, um Überlastungen zu vermeiden.
Angulierte Implantate
Durch die schräge Positionierung der Implantate können anatomische Strukturen wie der Sinus im Oberkiefer oder der Nervenkanal im Unterkiefer umgangen werden:
- Nutzung des vorhandenen Knochens
- Vermeidung von Augmentationen
- Meist nur bei mehreren Implantaten und speziellen Versorgungskonzepten anwendbar
Versorgung mit einer Keramikbrücke
Bei ausreichend stabilen Nachbarzähnen kann eine festsitzend zementierte Keramikbrücke eine gute Alternative sein:
- Kein chirurgischer Eingriff notwendig
- Schnellere Versorgung
- Ästhetisch ansprechende Ergebnisse durch moderne Keramik
- Keine Wartezeit auf Heilungsphasen
Allerdings müssen dafür (gesunde) Nachbarzähne beschliffen werden, was einen irreversiblen Substanzverlust bedeutet und zudem eine stärkere Druckbelastung durch Kaukräfte hervorruft.
Herausnehmbarer Zahnersatz
Eine abnehmbare Teil- oder Vollprothese kann eine funktionelle Lösung bieten:
- Keine chirurgischen Eingriffe notwendig
- Kostengünstig
- Bei wenig Knochenangebot oft problemlos einsetzbar
- Regelmässige Anpassungen möglich
- Erweiterbare Lösung, falls weitere Zähne in Zukunft entfernt werden müssen
Der Nachteil liegt in der geringeren Kaufunktion und dem möglichen Komfortverlust gegenüber festsitzenden Lösungen. Viele Patienten beklagen das Fremdkörpergefühl und fühlen sich mit einer Prothese nicht wohl.
Ein Knochenaufbau kann notwendig werden, wenn für eine stabile Implantatversorgung nicht ausreichend Kieferknochen vorhanden ist. Die Wahl der geeigneten Methode und des passenden Materials sollte immer individuell und auf die jeweilige Ausgangssituation abgestimmt erfolgen.

Häufige Fragen zum Thema Knochenaufbau
Patienten haben oft viele Fragen rund um das Thema Knochenaufbau. Hier finden Sie Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen.
Die Wartezeit hängt vom Umfang des Knochenaufbaus und dem verwendeten Material ab:
- Bei kleineren Knochenaufbauten und gleichzeitiger Implantation: Keine zusätzliche Wartezeit
- Bei mittleren bis grösseren Augmentationen: 3-6 Monate
- Bei umfangreichen Knochenblock-Augmentationen: 5-6 Monate
Die individuelle Heilungsfähigkeit und Anatomie der jeweiligen Region spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Durch klinische Kontrollen und gegebenenfalls radiologische Untersuchungen kann der ideale Zeitpunkt für das Setzen des Zahnimplantates nach dem Knochenaufbau bestimmt werden.
Die Versorgung des aufgebauten Knochens erfolgt durch einwachsende Blutgefässe. Dieser Prozess wird als Revaskularisierung bezeichnet und ist entscheidend für den Erfolg: Während Eigenknochen bereits lebende Zellen mitbringt, müssen Knochenersatzmaterialien erst besiedelt werden.
Eine gesunde Ernährung, ausreichende Versorgung mit Vitamin D und der Verzicht auf Nikotin unterstützen diesen Prozess positiv.
Die Erfahrungen mit modernen Knochenaufbauverfahren sind überwiegend positiv:
- Im Oberkiefer: Besonders Sinuslift-Verfahren zeigen sehr hohe Erfolgsraten
- Im Unterkiefer: Knochenaufbauten haben ebenfalls gute Prognosen, erfordern jedoch aufgrund der dichteren Knochenstruktur manchmal längere Einheilzeiten
- Horizontale Knochenaufbauten heilen je nach Ausmass in der Regel zuverlässiger als vertikale Aufbauten ein
Im Oberkiefer rechnet man mit folgenden durchschnittlichen Heilungszeiten:
- Interner Sinuslift mit gleichzeitiger Implantation: 3-4 Monate
- Umfangreicher externer Sinuslift: 4-6 Monate (ggf. kann die Implantation erst nach dieser Einheildauer erfolgen)
- Horizontale Augmentationen: 4-6 Monate
Der Oberkieferknochen ist weniger dicht als der Unterkiefer, was oft zu einer schnelleren Vaskularisierung führt, allerdings kann dies auch einen schnelleren Volumenverlust bedeuten.
Für den Unterkiefer gelten folgende Richtwerte:
- Kleinere Augmentationen: 3-4 Monate
- Blockaugmentationen: 5-6 Monate
- Vertikale Augmentationen: 5-6 Monate
Die dichtere Knochenstruktur im Unterkiefer kann zu längeren Einheilzeiten führen, bietet aber nach erfolgreicher Integration eine sehr stabile Basis.
Die Kosten variieren stark je nach Umfang, Technik und Material, sodass eine pauschale Aussage hier nicht getroffen werden kann.
Nach einer individuellen klinischen und röntgenologischen Untersuchung wird ihr Zahnarzt einen für Sie erstellten Kostenvoranschlag, um alle Kosten transparent zu kommunizieren. Sprechen Sie uns gerne an, falls Sie eine Operation in unserer Klinik in Erwägung ziehen.
Eine vollständig natürliche Regeneration des Kieferknochens ohne unterstützende Massnahmen ist nach einem Verlust leider nicht möglich. Es gibt jedoch Ansätze, die den körpereigenen Knochenaufbau fördern:
- Wachstumsfaktoren aus dem eigenen Blut sind in PRF (Platelet Rich Fibrin) enthalten
- Schonende Extraktionstechniken mit sofortiger Socket Preservation schränken Knochenverluste ein
- Frühzeitige Implantatversorgungen unterstützen die Vermeidung weiteren Knochenabbaus
Diese Massnahmen können den Bedarf an umfangreichen Augmentationen reduzieren, ersetzen diese aber nicht bei bereits bestehendem Knochenverlust.
Ja, die Begriffe Knochenaugmentation und Knochenaufbau werden synonym verwendet. Beide beschreiben die Wiederherstellung des verlorenen Knochenvolumens.
Die Erfolgsquoten beim Sinuslift sind sehr gut. Die Verfahren (externer und interner Sinuslift) helfen zuverlässig, neues Knochenvolumen zu schaffen.
Faktoren, die den Erfolg beeinflussen:
- Erfahrung des Operateurs
- Nichtraucher haben bessere Prognosen als Raucher
- Vorerkrankungen wie Diabetes oder Parodontitis
- Qualität und Quantität des vorhandenen Restknochens
- Form der Kieferhöhle
- Beschaffenheit der Schleimhaut
- Verwendetes Augmentationsmaterial
Bei fachgerechter Durchführung gehört der Sinuslift zu den vorhersagbarsten augmentativen Verfahren.
In den ersten Tagen nach dem Eingriff empfehlen wir:
- Weiche, lauwarme Kost (keine heissen Speisen)
- Vermeidung tierischer Milchprodukte , da die enthaltenen Milchsäurebakterien die Wundheilung beeinträchtigen und das Infektionsrisiko erhöhen können
- Vermeidung körniger Lebensmittel (Nüsse, Sesam, Mohn, etc.)
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, aber keine Strohhalme verwenden
- Kein Alkohol und keine scharfen Gewürze
- Kein Kaffee oder schwarzer Tee
- Kein Rauchen
Nach etwa einer Woche kann die Ernährung schrittweise normalisiert werden, wobei die direkte Belastung des Operationsgebietes noch für 2-3 Wochen vermieden werden sollte.
Leichte bis mässige Schmerzen sind in den ersten Tagen nach dem Eingriff normal und gut behandelbar:
- Am zweiten oder dritten Tag nach der Operation ist der Schmerzgipfel erreicht
- Mit den verschriebenen Schmerzmitteln ist eine gute Kontrolle möglich
- Auch Schwarzkümmelöl kann auf natürlichem Wege gegen Schmerzen helfen
- Nach etwa 5-7 Tagen klingen die Schmerzen deutlich ab
Anhaltende oder zunehmende Schmerzen nach dieser Zeit sind ungewöhnlich und sollten bei Ihrem Behandler zahnärztlich abgeklärt werden.
Dies hängt von der Art und dem Umfang des Knochenaufbaus und der Beschaffenheit der Prothese ab:
- Nach kleineren Eingriffen: Die Prothese wird meist angepasst und kann oft nach 1-2 Wochen wieder getragen werden
- Nach umfangreichen Augmentationen: Ein Trageverbot für 2-4 Wochen ist häufig notwendig, um Druckstellen zu vermeiden
- Bei manchen Verfahren: Spezielle «Interimsprothesen» können für die Übergangszeit angefertigt werden
- In manchen Fällen kann jedoch auch der vollständige Verzicht erforderlich sein, um Druck zu vermeiden
Ihr Zahnarzt wird die Prothese anpassen und Ihnen genaue Anweisungen geben, wann und wie Sie diese wieder einsetzen können.
Echte immunologische Abstossungsreaktionen sind bei modernen Knochenersatzmaterialien sehr selten. Ebenfalls kann es selten zu einer Wundheilungsstörung oder Verzögerung kommen, sowie schlimmstenfalls zu einem (teilweisen) Verlust des Knochenaufbaus. Sollte es zu einer Infektion des Materials kommen, so kann die Entfernung erforderlich werden.
Diese Komplikationen bedeuten nicht, dass der Körper das Material «abstösst», sondern dass die biologische Integration nicht wie gewünscht erfolgt ist. In den meisten Fällen kann nach Abheilung ein erneuter Versuch unternommen werden.
Eine operationsbegleitende Unterstützung der Wundheilung, durch individuelle Supplementierungen und, je nach Situation, ggf. auch einer Antibiose, minimiert die oben genannten Risiken.
Weiterführende Informationen
Im Folgenden sind die relevanten Informationen aufgelistet, die Ihnen mehr Einblick in das Thema bieten sollen.
